Sagen

Quelle: Buch Schmiedshau I, Seite 156-157

Die Volkssagen haben meistens einen historischen Hintergrund; sie ranken sich um besondere Ereignisse, die von Mund zu Mund und von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Die Fantasie der Erzähler schmückte sie dann mit Einzelheiten aus und so entstanden im Verlaufe einiger Generationen bedeutungsvolle Sagen.


Der Kirchenschatz im Türkengraben

Zur Zeit der Türkenkriege kam einmal eine Horde Heiden nach Schmiedshau. Die Türken erschlugen viele Männer, plünderten die Kirche und tranken aus den Messkelchen Wein. Am ärgsten aber trieb es ein türkischer Priester, der sich die Messgewänder anzog und vor dem Altar einen liederlichen Tanz aufführte. lnmitten dieses frevlerischen Tuns ertönten auf einmal alle Glocken von einer unsichtbaren Hand gezogen und eine Stimme rief mehrmals: "Der Feind kommt". Die Türken sprangen schnell auf ihre Rosse und flüchteten hinauf ins Gebirge, um sich dort zu verstecken. Aber schon im Steinseifen ereilte sie die strafende Hand Gottes. Hier hielten sich handfeste Männer verborgen, erschlugen die vom Wein berauschten Türken und warfen sie darauf in einen Graben, der noch heute Türkengraben heißt.
Als sich die Männer dem geraubten Kirchenschatz näherten, es waren Kelche und Monstranzen, verschwand er in die Erde, nachdem er ihren blutigen Händen entglitten war. Viele wollen den türkischen Priester nachts weinen und wehklagen gehört haben, manche wollen ihn auch gesehen haben, wie er vor einem Kelche kniete und den Christengott um Verzeihung und Erlösung anflehte. Erlöst werde er aber erst dann, wenn ein katholischer Priester für den Verdammten eine Totenmesse lese. Geschehe dies, so werde auch der verschwundene Kirchenschatz wieder zum Vorschein kommen.

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Vom Kirchenbau in Schmiedshau

In Schmiedshau sollte im Oberort die Kirche gebaut werden. Doch Richter und Notar waren dagegen, beide wünschten sie in der Mitte des Dorfes. Da drohte in der Gemeinde ein Streit. Der Richter wollte aber Hader und Zank nicht aufkommen lassen. Daher nahm er einen Überwurfmantel und legte ihn in einen Garten in der Dorfmitte. Zu den Leuten sagte er nun: "Also hört mal her, ihr lieben Leut! Wo der Überwurfmantel morgen früh liegen wird, auf diesem Orte wollen wir unsere Kirche bauen". Damit war die ganze Gemeinde einverstanden.
Nun kam der Abend ins Dorf. Das Läuten vom Glockenhäuschen durchdrang die Abendstille und mahnte die Menschen zur Ruhe und Eintracht.
Als es schon dunkel war, kam ein Wandergeselle die Dorfstraße herab. Er suchte eben eine passende Stelle für ein Nachtlager. Da fand er im Garten den Überwurfmantel. Weil er niemanden sah, nahm er diesen mit.

Als er schon den Niederort hinter sich hatte - damals reichte das Dorf noch nicht so weit herunter -, breitete der Mann den Überwurfmantel unter einem breitastigen Apfelbaum aus und legte sich zur Ruhe.
Zeitig in der Frühe stand er auf und wanderte weiter. Den Überwurfmantel ließ er im Garten liegen. Weshalb sollte er ihn auch mitschleppen?
Niemand hatte ihn am Abend bemerkt, kein Schmiedshauer sah ihn am Morgen. Wie er gekommen war, so ging er.
Als die Sonne wieder die Gemeinde begrüßte, waren die Siedler, alt und jung, auf den Beinen - jeder wollte den Überwurfmantel finden. Erst am Nachmittag fand ein Bauer den Mantel in seinem Garten.
Da alle mit des Richters Worten am Vorabend zufrieden waren, wurde nun auch die Kirche dort gebaut, wo der Bauer den Überwurfmantel gefunden hatte - im Niederort.

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Die Quelle auf der Grappa

Vor vielen Jahren war eine Frau beim Heumachen auf den Bergwiesen auf der Grappa, einem Bergkegel. Der Tag war sehr heiss, die schwere Arbeit machte durstig, doch es gab weit und breit keine Quelle, um den Durst zu stillen. Da schaute die Frau hinunter ins Tal, in den Dorfgrund, wo ein Bächlein munter das Tal dahin plätscherte. Von übermäßigem Durst geplagt, sprach sie die Worte zum Himmel: .Du schönes Wasser, wie seh' ich dich fließen, und ich habe keines zu genießen". Im selben Augenblick entsprang vor ihren Füßen eine Quelle und die Frau stillte ihren Durst. Seit dieser Zeit sprudelte an dieser Stelle die Quelle zur Freude von Mensch und Tier.
Nach langer Zeit, ebenfalls zur Heuernte, weilte eine Frau mit ihrem Säugling auf der Wiese. Nachdem sie das Kind trockengelegt hatte, wusch sie die Windeln in dem klaren Quellwasser. Sofort versiegte das Brünnlein, und nur ein großes Loch in der Wiese zeugt heute noch von der ehemaligen Quelle.

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Woher kam der Name "der Pfeifer" - "Feifar"?

Aus der Zeit vor Jahrhunderten, als unsere Vorfahren anfingen, das Land zu besiedeln, berichtet eine Sage folgendes: Da die Vorfahren ein sehr fleißiges Volk waren, rodeten sie die Wälder für den Ackerbau und machten fruchtbare Felder daraus. Auch geschickte Handwerker waren unter ihnen. Die Siedlung begann zu blühen.

Da begann man auf die friedlichen Menschen mit Neid zu blicken. Es war keine Seltenheit, dass sie nachts überfallen und beraubt wurden.
So beschlossen sie, eine Nachtwache aufzustellen, um die Menschen rechtzeitig zu warnen, wenn ein Feind in Sicht war. Es wurden vierzig junge Männer ausgesucht. die Nacht für Nacht auf dem höchsten Hügel der Siedlung Wache hielten. Bei der Sicht des Feindes mussten alle aus Leibeskräften pfeifen, damit sich die Menschen noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Doch einmal gerade um Mitternacht öffnete sich der Hügel und alle verschwanden in der Öffnung. Seither hat man sie nie wieder gesehen. Noch heute soll man sie in klaren Winternächten pfeifen hören. Zum Andenken an sie wurde dieser Hügel "der Pfeifer", in der Mundart "d`r Feifar" benannt. ("Schmiedshauer Sagen" von Klari Hromada - Uhliarova, Schmiedshau / Preßburg, 1995)

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Wie die "dürre Seele" - "d` d jera Seuj" zu ihrem Namen kam.
Wiesen - Flurname im Gebirge von Schmiedshau

Die Menschen von Schmiedshau / Tuzina waren fleißig, ehrlich und gottesfürchtig. Besonders im Sommer zur Heuernte mussten sie sehr zeitig aufstehen. Schon vor Sonnenaufgang waren die Männer bereits auf den entlegenen Wiesen, um noch bei Tau das Gras zu mähen. Doch es gab auch manche, denen das Frühaufstehen besonders schwer fiel. So ging eines schönen Sommertages ein Bauer kurz vor Mittag zu seiner Wiese. Da sah er auf einer Buche das Bild des Gekreuzigten hängen. Anstatt den Hut abzunehmen, sich zu bekreuzigen und weiter zu gehen, blieb er stehen. Aus seinem Mund kamen gottlose Worte. Er hänge hier nur unnütze an der Buche, könnte heruntersteigen und ihm bei der Arbeit nützlich sein. Wie er so vor der Buche stand und Gott lästerte, zerteilte sich die Buche in zwei Stämme, zog den Mann in die Mitte und drückte ihm die Seele aus dem Leib. Man konnte ihn von dort nicht befreien. Seit dieser Zeit heißt der Ort die "dürre Seele" - "d`djera Seuj." ("Schmiedshauer Sagen" von Klari Hromada - Uhliarova, Schmiedshau / Preßburg, 1995)

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"Das Hasenbrünnlein" - "S Hos`nprenn`la"

Am oberen Ende des Dorfes Schmiedshau / Tuzina befindet sich eine Quelle, welche seit jeher das "Hasenbrünnlein" genannt wird. Vom Entstehen desselben erzählt eine Sage folgendes: Vor langer Zeit wurde auch hier zu Lande nach Silber gegraben. Am Fuße eines Waldhanges wurde ein Stollen eröffnet. Das ersehnte Silber war auch vorhanden, wenngleich in geringen Mengen. So wurde immer weiter gegraben in der Hoffnung, auf eine große Silberader zu stoßen. Es war eine schwere und mühsame Arbeit. Jeden Morgen vor Arbeitsbeginn bekreuzigten sich die Männer, Mütter und Frauen. Sie gaben ihnen mit Weihwasser das Geleit. Allabendlich warteten sie mit Sehnsucht auf die Rückkehr ihrer Lieben. So ging es eine geraume Zeit.

Doch da fühlte sich der König der Berge in seinem ewigen Schlaf gestört. Mit gewaltiger Wucht rüttelte er am Berg, verschüttete alle Zugänge und begrub alles Lebende im Stollen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die traurige Nachricht. Mit bloßen Händen fingen sie an zu graben, um die Verschütteten zu befreien, doch vergeblich. Vor dem Stollen entstand ein kleines Brünnlein von den vergossenen Tränen. Zum Andenken an drei schöne junge Brüder; welche man die Hasen - Brüder nannte, wurde auch dieses Brünnlein benannt. ("Schmiedshauer Sagen" von Klari Hromada - Uhliarova, Schmiedshau / Preßburg, 1995)

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Im Jahre 2004 hat die Ortsgemeinschaft Schmiedshau eine CD mit Sagen in Schmiedhauer Mundart herausgegeben. Sie kann bestellt werden bei:

Hans Dubb, Tel. (0 71 61) 3 12 37 oder per Mail an

EMail


Eine Audio-CD mit Sagen und Legenden erzählt von Anni Wenzel (Keb'la Ann'la) und Broisl Groß (Ziffra-Brois) in Schmiedshauer Mundart.
Produziert: Mai 2004

Preis: 5 Euro + Versandkosten

Tracks auf der CD:
(zum Reinhören der Tracks 6, 23, 33, 40, 44 bitte auf die grünen Links klicken)

01. Einleitung
02. Alp (Oip)
03. Im Galgengrund jammert’s
04. Spuk (Jógala)
05. Tödin (Téden)

06. Messe für arme Seelen
07. Verhexte Kuh
08. Mittagstödin
09. Hexentanz in der Christnacht
10. Schlacht zwischen Christen und Türken
11. Türkengraben
12. Flucht der Türken
13. Grenzsteinträger
14. Hexen bei der Kirche
15. Schlacht am Türkengraben
16. Weißes Rösslein
17. Mund Wlekäuj
18. Hausgeister
19. Schwarzer Mann
20. Weisser Schimmel im Bach
21. Tote Braut im tiefen Graben
22. Kuruzzen im Verhau

23. Vor Kuruzzen weggelaufen

24. Türkenzeit
25. Türkenkrieg
26. Landfrauengrund
27. Wassermann
28. Lichtmännlein
29. Wassermann 2
30. Waldmensch
31. Waldmensch bringt Leute um
32. Wie ein Trinker gejagt wurde

33. Landfrau – Holz stehlen
34. Vom guten Männlein
35. Landfrau 1
36. Landfrau 2
37. Wöchnerin
38. Hacke nicht, du fällst runter
39. Mittagsmännlein

40. Wassermann beim Wasserfall
41. Klink Hans erzählt
42. Der Schimmel
43. Brot backen
44. Der Geist im Gebirge
2:09
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1:11
4:48
7:08

 

 

 

 

 

Track 6 - Messe für die armen Seelen:


zu den Tracks

 

 

 

Track 23 - Vor Kuruzzen weggelaufen:


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Track 33 - Landfrau - Holz stehlen:


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Track 40 - Wassermann:


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